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Psychologie & Mindset

Das Trolley-Problem

Lesedauer: 3 Minuten
Fast jeder hat schon einmal davon gehört:

“Eine Straßenbahn ist außer Kontrolle geraten und droht, fünf Personen zu überrollen. Durch Umstellen einer Weiche kann die Straßenbahn auf ein anderes Gleis umgeleitet werden. Unglücklicherweise befindet sich dort eine weitere Person. Darf, durch Umlegen der Weiche, der Tod einer Person in Kauf genommen werden, um das Leben von fünf Personen zu retten?”

Philippa Foot (1967)

Das Beitragsbild dient auch zur Visualisierung.

Ja, das ist eindeutig eine schwierige Frage, doch bevor wir uns dem Problem stellen, befassen wir uns mit einigen Hintergrundinformationen. 

Die Geschichte des Problems

Interessanterweise ist dies nicht die einzige Fassung, welche oben als Zitat angeführt ist, die es gibt. Diese Fassung ist von Foot 1967 erdacht worden. Philippa Foot war eine britische Philosophin, die 1920 geboren und 2012 verstorben ist. Sie hat die gegenwärtige Tugendethik mitbegründet und war in dem Bereich Ethik tätig und dadurch auch bekannt geworden. Ihrer Ansicht nach hat der Mensch keine Entscheidungsmöglichkeit bezüglich des Moralurteils und meint, dass wertende und moralische Urteile, logisch mit Tatsachenaussagen verknüpft seien. Die Tatsachen sind in diesem Fall objektive Gründe für das Werturteil. Für Foot waren nicht nur die traditionellen Kardinaltugenden wichtig, wie Mut, Mäßigung, Gerechtigkeit usw. sondern auch die Tugend der Wohltätigkeit und Nächstenliebe, da dadurch die Konsequenzen unserer Handlungen leichter zu berücksichtigen sind und die Motivation in schwierigen Situationen steigert. 

Eine weitere Fassung des Trolley-Problems schrieb Hans Welzel 1951:

“Ein Güterzug droht wegen falscher Weichenstellung auf einen vollbesetzten stehenden Personenzug aufzufahren. Ein Weichensteller erkennt die Gefahr und leitet den Güterzug auf ein Nebengleis um, so dass dieser in eine Gruppe von Gleisarbeiter rast, die alle zu Tode kommen. Wie ist die Strafbarkeit des Weichenstellers zu beurteilen?”

Er ist 1904 geboren, verstarb 1977 und war ein deutscher Rechtsphilosoph. Richtig bekannt wurde er durch die finale Handlungslehre im Strafrecht, in dem erklärt er, dass die Willensfreiheit des Individuums mit seinen (Individuums)Gedanken begründet wird und somit ist der Vorsatz als Wissen und Wollen der Tatbestandsverwirklichung nicht mehr als Teil der Schuld anzusehen. 

Eine Fassung um 1930 wurde von Englisch verfasst und lautet wie folgt:

“Es kann sein, dass ein Weichensteller, um einen drohenden Zusammenstoß zu verhindern, der aller Voraussicht nach sehr viele Menschenleben kosten wird, den Zug so leitet, dass zwar auch Menschenleben aufs Spiel gesetzt werden, aber sehr viel weniger, als wenn er den Dingen ihren Lauf ließe.”

Wie ist das Problem zu bewerten?

Die Analyse und Interpretation ist der Fassung von Foot gewidmet. Es gibt nur zwei Optionen, nicht die Weiche stellen oder die Weiche stellen. Wenn man nicht die Weiche stellt, tötet man fünf Personen, wenn man jedoch die Weiche stellt, dann tötet man eine Person. Ist es moralisch verwerflich, die Weiche nicht zu stellen? Man muss sich bewusst sein, dass der Trolley-Fahrer in beiden Fällen die Menschen aktiv tötet. Das bedeutet, dass der Fahrer Schuld an dem Tod der oder des Menschen ist. Die Meisten würden die Weiche stellen, da ein Menschenleben das geringere Übel sei als mehrere. Man muss sich aber auch im Klaren sein, dass wenn man eine Vorgeschichte hinzufügen würde, sich das Resultat ändern kann. Nehmen wir an, dass die fünf Arbeiter nur verkleidet sind und eigentlich der Mafia angehören. Würden man sich dann anders entscheiden? Es kommt auch auf die Ausgangssituation an, wie Menschen handeln würden. Dies ist aber in dem Gedankenexperiment nicht vorhanden. Der Trolley-Fahrer hat nur zwei Möglichkeiten und darf entscheiden, da er an dem Ausmaß beteiligt ist. 

Wenn man das Gedankenexperiment aber anders formuliert, zum Beispiel, dass der Fahrer ohnmächtig geworden ist und eine Privatperson eine Weiche vor sich stehen hat. Darf der Beobachter überhaupt eingreifen? Dazu muss man betrachten, dass viele Menschen eingreifen würden und somit einen Menschen aktiv töten. Wenn man aber nicht eingreift, lässt man die Menschen sterben und tötet sie somit nicht. Man überlässt das Ereignis sozusagen dem Schicksal. Wenn der Beobachter die Weiche umstellt, dann nimmt er somit das Recht auf das Leben des einen Menschen, auch wenn die Beweggründe waren, fünf Menschenleben zu retten. Der eine Gleisarbeiter hat sich nicht freiwillig gemeldet, also wurde ihm Unrecht angetan. Man kann aber auch argumentieren, dass die Situation, egal welche Möglichkeit gewählt wird, Opfer bringen wird und deshalb das Recht der Gruppe höher gestellt ist, als das Recht der einen Person. Doch ist der Betrachter wirklich dafür verantwortlich, Recht auf Leben abzuwägen? Es wird aber auch nicht moralisch gefordert, dass der Beobachter handeln muss. Man kann auch weiter argumentieren, dass der Betrachter mit dem Stellen der Weiche noch keine Rechte verletzt hat, da die Weiche kein lebendes Individuum ist und so nimmt er das Recht auf Leben des einen Menschen nicht. 

Meiner Meinung nach sollte der Trolley-Fahrer die Weiche stellen, da er bei beiden Möglichkeiten die Menschen aktiv töten würde. Es gäbe zwar auch die Möglichkeit, aus dem Trolley zu springen, aber das würde bedeuten, dass er sich der Verantwortung entzieht und auch die Passagiere auf sich alleine gestellt sind. Der Betrachter hat die Möglichkeit, aktiv ein Menschenleben zu opfern und somit das Recht auf Leben von sich selbst aus aufzuheben, auch wenn die Beweggründe gut sind. Nichts zu tun ist die bessere Möglichkeit, da der Betrachter nicht eingreifen muss, anders als der Fahrer und er somit nicht an dem Tod der Menschen schuldig ist. 

Wenn dies aber in der Realität geschehen würde, dann haben die Menschen andere Gedankengänge und entscheiden sich wahrscheinlich aufgrund deren Bauchgefühl. Höchstwahrscheinlich auch ich.

Aber wie würdet ihr vorgehen?

Quellen:

https://play.google.com/store/books/details/Judith_Jarvis_Thomson_The_Trolley_Problem_Das_Trol?id=0tjxDwAAQBAJ

https://de.wikipedia.org/wiki/Philippa_Foot

https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Welzel

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Nico

Von Nico

Komischer aber lustiger Typ, der sich viel zu viel mit Film und Ton beschäftigt. Moderieren, sprechen und synchronsprechen ist meine Leidenschaft und das möchte ich auch nach der Schule beruflich ausüben. Politik liegt ebenfalls in meinem Interessenbereich. Vor allem Satire und Ironie ist mir immer wieder ein Genuss.

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