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Informatik trifft Ethik – Teil 2

Lesedauer: 5 Minuten

Text 3 – Autor: Frederik Schildböck

Das Gespräch mit der Expertin war in meinen Augen wirklich sehr aufschlussreich und hat mir in einigen Belangen auch ganz neue Perspektiven auf bestimmte Themen gegeben.
Leider konnten wir nicht alle Fragen durchbesprechen, was jedoch aufgrund der begrenzten Zeit abzusehen war. Die wichtigsten Punkte der Diskussion werde ich hier festhalten:

Begonnen hat das Gespräch mit Fragen zur Regulierung von neuen Technologien, konkret war hier gefragt, wie die Entwicklung von KIs besser reglementiert werden kann. Die Expertin vertritt dabei den Standpunkt, dass branchenbezogene Innovationen einzuschränken der falsche Weg sei. Sie setzt sich hingegen für viel allgemein gültigere ethische Standards ein, welche somit eben auch auf neue Innovationen wie KIs angewendet werden können. Ich persönlich finde dies auch den richtigen Ansatz, da mögliche spezifische Richtlinien zu diversen, neuen Technologien immer nur im Nachhinein ausformuliert werden können und somit auch irgendwo ihr tatsächliches Ziel verfehlen. Fixe ethische Grundregeln, welche universell anwendbar sind, halte ich deshalb für sehr sinnvoll. Außerdem ist für die Expertin in Bezug auf KI die Frage nach der Verantwortung eine zentrale, denn wer ist beispielsweise verantwortlich, auf welches Datenmaterial die KI zugreift? Dieses Thema finde ich sehr schwierig einzuordnen, da ich selbst keine eindeutige Meinung zu dieser Problematik habe. Ich denke nämlich nicht, dass es dafür eine einfache Lösung gibt.

Die nächste Frage thematisierte weitere ethische Regulierungen, diesmal jedoch etwas allgemeiner gehalten, und zwar, was die Meinung der Expertin zu ethischen Richtlinien (beispielsweise in der Medizin) sei. Sie ist hierbei der Anschauung, dass es durchaus ethische Leitlinien geben solle, jedoch diese nicht konkret in einen Roboter implementiert werden könnten. Weiters brachte sie spannende Einblicke in die ethischen Entscheidungen der Medizin, welche sich nämlich auf vier Prinzipien stützen (Respekt vor der Autonomie des Patienten, Schadensvermeidung, Fürsorge und Gerechtigkeit). Dies war mir tatsächlich nicht bewusst, dass es in der Medizin bereits solche klaren ethischen „Handlungsvorschriften“ gibt. Weiters wurde klar, dass die Expertin Themen wie Social Scoring und generelle Kontrolle durch KI als äußerst kritisch sieht. Der Meinung bin ich auch. Diese Einstellung hat mich nicht wirklich überrascht, und ich bin davon sogar ausgegangen, es sollte dennoch hier vollständigkeitshalber festgehalten werden.

Die nächsten Fragen widmeten sich der Überprüfbarkeit von Studien respektive der relevanten Regularien, auf welche bei der Durchführung geachtet werden muss. Frau Holzer sieht hier die Politik gefragt, denn nur diese kann es durch globale Richtlinien beziehungsweise Gesetze schaffen, Sicherheitsstandards festzulegen. Diese Meinung vertrete ich selbst auch, denn nur die Politik hat die Macht, solche fixen Regeln festzulegen. Der Privatmensch ist in meinen Augen hier machtlos. Außerdem beteuert Frau Holzer die Wichtigkeit einer Ethikkommission, welche bei schwierigen Entscheidungen herangezogen werden soll. Denn beispielsweise bei placebobasierten Untersuchungen ist die Abwägung zwischen Nutzen und Risiko oftmals sehr schwierig.

Auf die Frage, wie sehr sie das Thema (Wissenschafts-)Ethik während ihres Werdegangs begleitet hat und noch begleitet, meinte sie, dass diese Thematik fast allgegenwärtig wäre in ihrem beruflichen, aber auch privaten Leben. Denn bei jeder Entscheidung spiele das bewusste Auseinandersetzen mit seinen eigenen Handlungen eine Rolle. Dieses bewusste ethische Hinterfragen haben meiner Meinung nach viele Menschen schon vergessen. Die wenigsten setzten sich nämlich in meinen Augen mit ihren Entscheidungen kritisch auseinander (Stichwort: Konsum). Die Wissenschaft darf dies jedoch keinesfalls vergessen.

Zudem sieht die Expertin die bereits vier erwähnten Grundprinzipien von Beauchamp und Childress (Respekt vor der Autonomie des Patienten/des Menschen, Schadensvermeidung, Fürsorge und Gerechtigkeit) als gute Richtlinie für wissenschaftliche Studien/Forschung. Ich persönlich habe mich im Zuge der Recherche mit dem Nürnberger Ethikkodex näher beschäftigt und finde diesen auch eine wirklich treffende und trotzdem kompakte Zusammensetzung von den wichtigsten Grundregeln. Das von der Expertin genannte Modell war mir zu diesem Zeitpunkt noch neu, ich finde diese vier einfachen Grundsätze aber auch äußerst pointiert und trotzdem akkurat.

Die Schwierigkeit bei der Einführung von Regularien sieht die Expertin in der einheitlichen, globalen Überprüfung dieser. Bei Tierversuchen sei es nämlich oft so, dass keine allgemein gültigen Regeln herrschen und Forschung dann eben in Ländern betrieben wird, welche nicht so strikte Vorschriften haben.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass sich durch das Gespräch meine Meinung nicht wirklich geändert hat, da ich eigentlich mit allen Punkten der Expertin übereinstimme. Es hat mir jedoch auch einige neue Einblicke in Themen gegeben, über welche ich im Vorhinein

nicht nachgedacht hatte. Als Beispiel wäre hier die Medizinethik zu erwähnen, welche auf den vier Grundprinzipien nach Beauchamp und Childress basiert. Die Themen Ethik und Moral sind dadurch generell wieder präsenter in meinem Leben geworden.


Text 4 – Autor: Paul Steininger

Heutzutage wird es aufgrund der hohen Frequenz und der fortlaufend ansteigenden Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung und Innovation immer wichtiger, sich frühestmöglich Gedanken darüber zu machen, welche Grenzen man in Bezug auf die ethische Vertretbarkeit neuer Technologien und deren Auswirkungen, setzen sollte.

Laut der Expertin besteht bei der Nutzung von Kenntnissen, welche unter unethischen Bedingungen erlangt wurden, absolut die Gefahr der Instrumentalisierung der Menschen zu Forschungszwecken. Zwar sei die Frage, ob man solche Erkenntnisse dann auch tatsächlich nutzen sollte, nicht eindeutig und allgemeingültig zu beantworten, auf jeden Fall müsse man aber bedenken, dass jegliche Form der Anerkennung dieser Erkenntnisse zu weiteren problematischen Studien etc. führen kann.

Zu diesem Punkt hat Frau Holzer eine etwas andere Meinung als ich. Zwar finde natürlich auch ich, dass man solchen Studien keine Anerkennung schenken sollte und auch auf keinen Fall dazu beitragen sollte, Menschenleben für Forschungszwecke zu instrumentalisieren, allerdings geht durch die Nicht-Beachtung der Ergebnisse Wissen verloren, für das im Beispiel der Menschenversuche der Nationalsozialisten unzählige Menschen sterben mussten, was ich für fatal halte.

Des Weiteren ist laut Frau Holzer wichtig, die Risikogruppen der KI zu kategorisieren (nach den Vorgaben im AI-act), um Sicherheitsstandards festzulegen. Verantwortlich für diese Standards sei die Politik. Frau Holzer hat hier einen Punkt genannt, welchen ich zuvor nicht bedacht habe und ich muss ihr zustimmen, denn um tatsächlich sinnvolle Sicherheitsstandards schaffen zu können, muss man selbstverständlich wissen, worin die Risikogruppe liegt. Und wer sollte diese Standards festlegen, wenn nicht die Politik?

Und wie sollte die Einhaltung ethischer Standards bei wissenschaftlichen Arbeiten überprüft werden, bzw. gibt es dafür ein allgemeines Konzept? Dazu sagte Frau Holzer, dass es kein allgemeingültiges Konzept gäbe und dass ein Beispiel hierfür die Tierversuche im internationalen Vergleich seien. In einem Land gelten jene Gesetzte, in einem anderen Land gelten wieder andere Gesetze. Forschung wird deshalb einfach ins Ausland verlagert, wo die Regelungen nicht so streng sind.

Auch hier sehe ich ein großes Problem. Ich habe zwar schon des Öfteren im Laufe dieser Arbeit angemerkt, dass es keine allgemeinen Richtlinien und Regelungen gibt, bzw. dass es schwer ist solche zu treffen, allerdings stellt sich ein weiteres Problem, wenn die Gesetze nicht international abgestimmt sind. Wenn in einem Land eine Regelung gilt, in einem anderen aber nicht, verliert das Gesetz einen großen Teil seiner Bedeutung, da die Forschung einfach verlagert werden kann.

Eine weitere Frage bezog sich darauf, ob es wichtig und möglich sei, dass TeilnehmerInnen an Studien immer freiwillig teilnehmen. Es gehe hier laut der Expertin um den Respekt vor der Autonomie, die Schadensabwägung, die Gerechtigkeit und die Fürsorge. Zwischen diesen Prinzipien müsse abgewogen werden. Immer eine eindeutige Zustimmung im Vorhinein zu erhalten, sie aber nicht in allen Fällen möglich (z.B.: Placebo-Studien).

Meine Meinung dazu ist, dass natürlich bestmöglich versucht werden soll, die Freiwilligkeit zu gewährleisten. Trotzdem ist es sicherlich nicht immer möglich, die Teilnehmenden über alle Details einer Studie einzuweihen, ohne die Aussagekraft zu verringern. Deshalb, denke ich, sollte man in solchen Fällen noch größeren Wert auf die restlichen Prinzipien der Wissenschaftsethik legen und penibel überprüfen, ob alle übrigen Aspekte eingehalten und berücksichtigt werden.

Was denkt ihr denn? Wo gibt es Grenzen in der Forschung? Was ist denn überhaupt moralisch vertretbar in diesem Bereich? Gerne einen Kommentar dazu verfassen! 🙂

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Joy Alissa

Von Joyli

Math Nerd with a great love for Tech, Photography & Coffee!
Student at TU Vienna :)
I do enjoy writing and reading as well, so I'll leave it up to you to judge! 🙂

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