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Psychologie & Mindset

Nachteulen, Motivation und Disziplin. Was haben sie gemeinsam?

Lesedauer: 5 Minuten

Leute, wollt ihr wissen, was der ursprüngliche Anfangssatz dieses Artikels war? 

“Wie du zu dir selbst findest, ist eine derartig verallgemeinerte Frage, eine so tiefgründige Angelegenheit, dass dir wohl kaum einer jemals eine einfache 10-step-Anleitung dazu geben können wird.”

…Jap. Viel Blabla, scheint vielleicht interessant zu klingen, aber als ich es mir gerade eben samt des (ursprünglichen) Artikels durchgelesen habe, ist mir aufgefallen, dass ich keine Ahnung habe, wohin der Artikel eigentlich führt. 

Für den Kontext: Den Text habe ich vor ungefähr einem halben Jahr geschrieben. 

Es sollte ein tiefgründiger, ernster Text über die Selbstfindung und die eigene Persönlichkeit eines jeden Menschen werden. Eventuell ein wenig emotional angehaucht, mit einer typisch durchdachten Struktur. Eine typisch anziehende, oft gestellte Frage, die am Ende mit einem mindestens ebenso typischem Fazit beantwortet wird. Irgendwo in der Mitte einige Stilmittel, die meine Deutschlehrer erfreuen könnten, hie und da vielleicht die Funken meiner eigenen Persönlichkeit… – ja. Es sollte ein typischer Text werden. 

Im Endeffekt kann ich euch auch nicht erklären, warum genau ich den Artikel nun doch gedodged habe. Vielleicht liegt es daran, dass es ein Uhr nachts ist, vielleicht aber auch daran, dass ich keine halbe VWA schreiben möchte, und weiß, dass ich das müsste, um das Thema auch nur ansatzweise richtig zu behandeln. Fakt ist, dass das hier wohl kein typischer Text sein wird. Guys, ich sag’s euch gleich von vorn heraus: Ich hab hier nichts geplant. Ich habe übrigens auch nichts recherchiert (nicht, dass ich das je vorgehabt hätte). Ich schreibe hier lediglich meine Gedanken auf, und hoffe, dass es irgendwie, in irgendeinem Paralleluniversum als “gut geplanter, strukturierter, eloquenter Artikel” durchgehen wird.

Also gut. Ich sitze hier. 

Vor einem praktisch leeren Google Dokument. 

Alleine, irgendeine random Spotify Playlist im Hintergrund.

Und natürlich, wieder mitten in der Nacht. 

Aber warum eigentlich? Warum mögen es so viele Menschen unserer Zeit, ihren Schlaf für die most random things aufzuopfern? 

Jetzt, wo ich darüber nachdenke, fallen mir viele Gründe ein, an denen das liegen könnte. 

Erstens gibt es viele Menschen, die die Nacht einfach schlichtweg mögen. Das mag an der wohltuenden Stille liegen, die alles umgibt, wie eine eiserne Decke, welche über das Land gelegt wird. Oder vielleicht an der Dunkelheit, die den Augen gutzutun scheint, und uns zu beruhigen vermag. Es kann aber auch sein, dass es Menschen gibt, die die Nacht dem Tag einfach vorziehen. Vielleicht ist es tagsüber einfach zu laut da draußen, in der großen, weiten Welt? Oder, die Geschwister kreischen sich mal wieder zu hochtonig über das gegenseitige Kuscheltier an? 

Diese Gründe sind alle vollkommen verständlich – doch bei den meisten Menschen hört es hier mit dem Denken auch schon wieder auf. Das lange Aufbleiben wird oftmals begründet mit in der Nacht gesteigerter Konzentration oder Motivation. Weiter als zu diesem Argument kommt man in den allermeisten Debatten einfach nicht… 

…doch wir natürlich schon – weil wir sind fancy und so 😛

Die meisten Dinge in unserem Leben, die wir so tun und lassen, basieren auf Gewohnheiten. Das habt ihr bestimmt schon mal gehört; Gewohnheiten sind das, was euren Alltag prägt. Wenn ihr eine Woche lang jeden Tag nach der Schule ein Mittagsschläfchen hält, und dann aber am Montag darauf keine Zeit für sowas habt, ist es sehr wahrscheinlich, dass ihr den restlichen Tag lang müde sein werdet. Wenn ihr es euch zur Gewohnheit gemacht habt, jeden Tag euer Lieblingscomputerspiel zu spielen, dann wird euch diese Aktion extrem fehlen, wenn ihr es nicht macht. So ähnlich wie diese Beispiele funktioniert auch unsere Motivation. 

Ich persönlich habe zum Beispiel momentan Probleme im Mathematikunterricht. Deshalb weiß ich auch schon am Anfang des Tages immer, wie anstrengend mein Tag ungefähr werden wird – wenn wir dienstags 2 Stunden Mathe haben, dann weiß ich, dass ich mich viel anstrengen werden muss, und wahrscheinlich müde sein werde. Wieso? Weil ich es mir zur Gewohnheit gemacht habe, in Mathe extra genau aufzupassen. 

Genau so funktioniert das mit der “Motivation” auch. Wir machen es uns nach und nach zur Gewohnheit, uns zu bestimmten Zeiten des Tages “motiviert zu fühlen”. Jetzt mag sich der ein oder andere schon denken, warum ich ständig manche Phrasen in Gänsefüßchen setze.., Nun, das Wort “Motivation” wird in unserer Generation leider oft fälschlich verwendet. 

Wenn wir heutzutage an Motivation denken, heißt das für uns so viel wie “der Ansporn, etwas Bestimmtes zu tun.” (don’t quote me on this, ich kann schließlich keine Gedanken lesen). Aber eine Motivation ist immer auch selbst etwas Bestimmtes. Zum Beispiel etwas wie “Ich bin motiviert, das Kunstprojekt zu machen, weil ich mich darauf freue, endlich mehr über Graffitis zu lernen”. Oder “ich bin motiviert, Valorant zu spielen, weil ich endlich meinen neuen Rank bekommen will”. Was aber keine Motivation ist, wäre zum Beispiel das Gefühl, etwas ohne scheinbaren Grund zu einer bestimmten Uhrzeit machen zu wollen. Wie es eben vielen von uns in der Nacht widerfährt.

Denn das, meine lieben Leute, ist Gewohnheit

Und wenn Gewohnheit zu etwas wird, das wir vollkommen bewusst machen, und vielleicht sogar unterstützen, dann ist das übrigens auch keine Gewohnheit mehr, sondern Disziplin

Viele finden das Wort “Disziplin” abschreckend – da denkt man dann sofort an Militärschulen und ernst dreinblickende Lehrer, die alle Vokabeln von A bis Z rückwärts und mitsamt der zugehörigen Konjugationen hören wollen… Aber das ist es nicht. Oder zumindest nicht nur. 

Disziplin heißt einfach, dass man eine Gewohnheit vollkommen bewusst macht. Das muss übrigens noch nicht einmal eine “gute” Gewohnheit sein. 

Es gibt sehr viele Menschen, die heutzutage extrem auf Motivation pochen. Jeder kennt diese “How to motivate yourself for school”-Videos, oder die “10 Steps to keep your Motivation up” -Titel. Aber letztendlich muss man der Wahrheit in die Augen blicken: Man kann schlichtweg nicht immer motiviert sein. Es wird nie eine einwandfreie Methode geben, euch immer und immerzu für etwas Bestimmtes zu “motivieren”. 

Denn irgendwann habt ihr ja schließlich alles über Graffitis gelernt, was ihr lernen wolltet, und irgendwann habt ihr auch euren Rank in Valorant bekommen. 

Das Einzige, was euch dann noch hilft, ist Disziplin. 

Disziplin ist das, was man braucht, um die Schule zu “überleben”. Natürlich spielt Motivation auch eine wichtige Rolle, aber irgendwann wird es einfach keine mehr davon geben. Und genau das ist dann der Zeitpunkt, wo gute Gewohnheiten hilfreich werden. 

Nach diesem kleinen (oder nicht-so-kleinen) Exkurs können wir auch wieder zurück zum Thema kommen: Nachteulen unter den Menschen. 

Es gibt also viele gute Gründe, um es zu mögen, nachts länger aufzubleiben. Doch nur weil man es mag, heißt das noch lange nicht, dass man nichts daran ändern kann. Denn das lange Aufbleiben ist für die allermeisten eine bloße Gewohnheit. Man hat einfach das Gefühl, tagsüber “nichts” gemacht zu haben, wenn man alles, was einem Spaß macht, immer nur nachts tut. Was wir also aus diesem Artikel alle lernen können, ist denke ich mal, dass niemand mit seiner Persönlichkeit “festsitzt”. Ihr könnt euch immer ändern, auch wenn ihr denkt, dass es nicht geht. 

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle noch über Produktivität reden. Über gute und schlechte Gewohnheiten, übers Prokrastinieren und über den Schlafrhythmus. Doch es ist inzwischen noch später geworden, und ich habe mich dazu entschieden, zu versuchen, selbst meine Gewohnheit, unter der Woche lang aufzubleiben, langsam down zu breaken. Deshalb sage ich an dieser Stelle auch Ciao. 

Ich hoffe, ihr seid während des Lesens nicht eingepennt 😛

– Kai

(Übrigens, Notiz am Rande: Den Titel habe ich erst gerade eben gewählt. Ich weiß genauso wenig, wie du, ob der überhaupt passt oder nicht. Einfach nicht infrage stellen…)

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Kai

Von Kai

ʜɪɪ, ɪᴄʜ ʙɪɴ ᴋᴀɪ! :ᴅ

ʜᴜɴᴅᴇʟɪᴇʙʜᴀʙᴇʀ, ᴀʟʟʀᴏᴜɴᴅᴇʀ, sᴄʜʟᴀғ-ʟᴇᴜɢɴᴇʀ.

ᴅᴜ ғɪɴᴅᴇsᴛ ᴍɪᴄʜ ɪɴ ᴅᴇʀ 𝟾ʙ - ᴏᴅᴇʀ ᴠᴏʀ ᴅᴇᴍ ᴄᴏᴍᴘᴜᴛᴇʀ. 𝟻𝟶/𝟻𝟶-ᴄʜᴀɴᴄᴇ. ᴠɪᴇʟ ɢʟᴜ̈ᴄᴋ! ʕ•́ᴥ•̀ʔっ

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