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Storytime: Wie man in der Disco Gehirne züchten kann, welche aus den Stirnen von deiner sehr geehrten Tanzpartnerin aka deinem Theater-Co-Star und dir wachsen und dich wie ein Dinosaurier-Menschen-Hybrid aussehen lassen

Lesedauer: 7 Minuten

Mit einer riesigen, blauen, weichen aber doch so harten, aus unseren Schädeln herausragenden Beule, welche man auch als ein weiteres implantiertes Gehirn oder als eine Mutation zwischen Dinosaurier und Mensch deuten könnte, durften Amelia und ich nach einer Woche fern vom Heim, fern von allem, was uns bekannt war, fern von jeglicher Art von zu Hause, unseren Eltern das erste Mal wieder in die Augen blicken. Ihre erstaunten Gesichter als sie ihre Töchter nach der Sommersportwoche mit einer enormen, pulsierenden, bunt verfärbten Beule am Schulparkplatz wieder vorfinden konnten, waren wohl unbezahlbar. So war es; und es war toll, so wie es war. Doch wie es dazu gekommen ist, können coole Leserinnen und Leser in dieser fantastischen Kurzgeschichte nun erfahren.

Doch fangen wir erst einmal am Anfang an. Die Dämmerung des letzten Tages der Sommersportwoche brach ein. Es war ein normaler Tag der Sommersportwoche mit der Besonderheit, dass an jenem Morgen für das Abendprogramm die Disco angesagt wurde, doch das größte Spektakel, nämlich ein, von Amelia und mir organisiertes Theaterstück, mit uns als Protagonisten, welches live vor Publikum prämieren sollte, sollte das Highlight des Tages werden und Zuschauern einen Einblick in die zauberhafte Kunst des Schauspielens und des Theaters bieten, sie in ein anderes, so zuvor noch nie existierendes Universum leiten und in den schwierigen Zeiten des Lebens persönlich weiterbringen.

Wenn wir jetzt in der Geschichte vorspulen und gleich zu dem Part kommen, in dem Amelia und ich fertiggemacht die Disco betraten, landen wir bei uns zweien, die schon beim Betreten des Raumes gar keinen Bock mehr auf die Disco hatten, weil der “Vibe” einfach nicht so toll war. Na ja, nach einer Weile war die Disco dann doch ganz okay und wir hatten alle schon ein bisschen mehr Spaß und haben uns wohler gefühlt als zu Beginn. Amelia und ich haben versucht, uns um die Musik zu kümmern, da wir coole Lieder, die jeder fühlt, aufdrehen wollten. (Das hat auch geklappt. Bei den Liedern, die wir aufgedreht hatten, war der “Vibe” immer “amazing”).

Na ja, nun irgendjemand hatte anscheinend den Vorschlag das Fliegerlied aufzudrehen. Amelia und ich haben das Lied eigentlich gar nicht gefühlt und waren voll genervt, weil unsere tollen Musikvorschläge irgendwann nicht mehr gespielt wurden. Schließlich entschieden wir uns doch ein bisschen zu dem Lied zu tanzen und somit nahmen wir uns an den Händen und sprangen herum wie betrunkene Hühner, “basically” haben wir einfach den Leuten neben uns nachgetanzt. Wurscht. Plötzlich während dem Teil “ich bin stark stark sta…” BUMMM.

Amelia und ich hauen gleichzeitig unsere Köpfe mit voller Wucht gegeneinander. Mein ganzer Körper fliegt gefühlt nach hinten und ich falle auf den Boden. Mit meinen Händen vor dem Gesicht sehe ich innerlich nur noch bunt, Regenbogen, Wellen alles ganz, ganz komisch. Ich dachte ehrlich, ich wäre gestorben und meine Seele würde gerade mein Gehirn verlassen und sich auf ihren Weg ins Unendliche begeben. Ich dachte, ich hätte gerade meinen Schädel gebrochen. Ernsthaft. Ich dachte, die Rettungssanitäter würden mich mit zwei geteilten Schädelhälften auffinden und bis an ihr Lebensende traumatisiert von diesem Anblick sein. Ich dachte wirklich das Letzte, was ich in meinem Leben gemacht haben werde, würde das Tanzen zum Fliegerlied gewesen sein. Ich dachte, meine Todesursache würde sein: “Hat das Fliegerlied ein bisschen zu sehr gefühlt und erlitt dadurch einen Schädelbruch”. Ich dachte, ich flieg, flieg, flieg gleich wirklich von diesem Planeten.

Alle standen um Amelia, welche nach kurzem Herumirren ihren Weg neben mich gefunden hatte, und mir und haben uns gefragt, ob alles okay ist, während wir einfach nur den größten Lachflash hatten, während wir geheult haben, weil wir enorme Kopfschmerzen hatten, während sich unsere Freunde Sorgen um uns machten, weil wir soeben mit voller Wucht gegeneinander geknallt sind, während unsere Gehirne soeben tausende Signale an all unsere Blutzellen schickten, um ihnen den Auftrag zu erweisen, sofort in unsere tollen sooo runden, schönen Köpfe zu strömen, weil sie ja noch richtig schön anschwellen sollten.

Na ja, soweit so gut. Doch dann fassten wir uns mal an die Stirn. Und das war einfach krank. “Imagine”, du greifst dir auf den Kopf und hast plötzlich eine riesige Wölbung. Es war riesig. Es war enorm. Es war gigantisch. Man kann dieses Gefühl gar nicht beschreiben, wenn man seinen sonst so tollen, runden Schädel angreift und plötzlich eine riesige, riesige, riesige Delle hat. Und das Schlimmste … beim Fliegerlied. Beim gottverdammten Fliegerlied. Wie peinlich. Wir kennen es alle “… heut’ ist so ein schöner Tag … lalala…la…la… …und ich spring, spring, spring… blablabla” etc.

Genau bei diesem tollen hochangesehenen Lied wurde Amelia und mir die Ehre erteilt, unsere Gehirnaufbewahrungsteile gegeneinander zu stoßen, beziehungsweise ineinander zu “crashen” und somit eine tolle riesige, blau, lila, gelb, regenbogenfarbene Beule zuzuziehen. Wir haben jedoch beschlossen der Allgemeinheit zu erzählen, dass wir unseren Kopf beim Lied “Beat It” von Michael Jackson eingeschlagen haben. Sonst denken die Menschen noch, dass wir das Fliegerlied so sehr gefühlt haben und so abgegangen sind, sodass wir unseren Schädel “zamhaun”. Das wäre ja peinlich. Aber so ist es auch. Es ist peinlich. Wieso genau beim Fliegerlied?

Nachdem wir dieses Ding auf unseren Köpfen entdeckt hatten, wurden wir von unseren Mitmenschen gezwungen, uns auf unseren Weg aus der Disco zu machen und so taten wir dies auch. Wir traten aus der Disco. Und da kam die nackte Wahrheit raus und unsere Beulen konnten endlich das Licht der Welt erblicken. Alle waren geschockt. Es sah so aus, als hätten wir das Wachstum eines weiteren Gehirns in unseren Köpfen ausgelöst. Es sah so aus, als wäre unsere Stirn hochschwanger, im neunten Monat. Es sah aus, als würde sie jeden Moment die schrecklichste, dramatischste, schmerzhafteste, blutübergossenste Geburt seit der Entstehung der Erde vollziehen. 

Nachdem wir einige Fotos geschossen haben, um diesen Moment für immer festzuhalten, dachten “wir” es wäre ganz schlau, uns auf den Weg zu den Lehrkräften zu machen und außerdem wollten wir unsere neu erworbene Beule auch mal im Spiegel bewundern. Noch wichtig zu erwähnen ist, dass dieses Ding uns mit extremen Schmerzen versorgte. Es tat so unnormal weh. Jede Berührung eines Fingers auf meinen Kopf fühlte sich an wie die reinste Hölle. Auch nur das Fallen eines Staubkorns auf mein kleines, beziehungsweise eigentlich riesiges Hörnchen fügte mir einen extremen Schmerz zu.

Schließlich landeten wir bei den Lehrerinnen und Lehrern im Speisesaal und an diesem Punkt möchte ich mich noch einmal bei den höchst kompetenten Lehrkräften bedanken, die unsere fast schon lebensbedrohliche Verletzung äußerst amüsant fanden. Besonderes Augenmerk möchte ich dabei auf die sehr geehrte Frau Professor Moreno legen, die es von allen Lehrkräften wahrscheinlich am schlechtesten geschafft hat, ihr Lachen zu unterdrücken. Wir nehmen es dem Lehrpersonal natürlich nicht übel, dass sie uns ausgelacht haben, wir konnten selbst nicht ernst bleiben und haben, anstatt unsere Verletzung zu versorgen, lieber Fotos mit lustigen Snapchat-Filtern gemacht.

Glücklicherweise hatten wir dann doch ganz vernünftige Mitmenschen bei uns, die uns mit einem Coolpack versorgt haben und uns gezwungen haben, unsere Wunde zu kühlen. Das Problem war nur, dass dieses Ding dermaßen schnell wieder aufgetaut ist und somit genau nichts bewirkt hat. Das schnelle Auftauen lag wahrscheinlich daran, dass wir so heiß waren (und immer noch sind) und das Coolpack musste einfach beim Anblick unseres prachtvollen Aussehens dahinschmelzen.

Wenn wir ehrlich sind und es uns eingestehen, waren wir mit diesem pompösen Ding auf unserem Schädel, welches aussah wie ein riesiger in naher Zukunft explodierender Pickel, doch schon ganz schön hässlich, aber tun wir doch bitte einfach so, als wären wir die “hottesten” Stuten der ganzen Weltgeschichte gewesen. Okay?

Nun kommen wir zu den schlimmsten Resultaten, die aus der Beulenstory folgten, denn jetzt kommt der Part, in dem ich auf den Artikel meiner sehr geschätzten Amelia verweisen muss. Denn wie bereits erwähnt, stand an jenem Tag nicht nur die Disco am Plan, sondern gleich danach war auch die exklusive, prämierende Aufführung unseres Theaterstücks vorgesehen.

Mehr dazu kann man in dem literarischen Meisterwerk der zauberhaften Amelia erfahren, in dem sie mit einem Tribut ans Theater, die einstudierte Aufführung genauer erläutert.

Unsere Welt war zerbrochen. Sie wurde zertrümmert. Sie wurde in tausende Teile gesprengt und demoliert. Es war so, als hätte man uns unseres Lebenselixiers entzogen und uns mit Gift gefüttert, gefoltert und in Flammen gelegt, als uns weiß wurde, dass wir, aufgrund unserer Körperverletzung die Vorführung unseres Theaterprojektes absagen mussten. Nicht nur uns tat dies Unmengen an Leid an. Es war ein düsterer, mit Trauer und Zorn gefüllter Tag in ganz Wagrain.

Das zuvor eingeladene Publikum, bestehend aus dem Lehrerteam, als Specialguest Herr Professor Magrutsch, welcher natürlich ganz gespannt darauf war, unser Stück zu bewundern, da er unsere Inspiration war und somit einen ganz besonderen Platz in dieser Geschichte einnimmt, und einigen Schülerinnen und Schülern, die eingeladen wurden, war zu Boden zerstört. Alle waren erschüttert. Selbst die, die nichts von dem Theaterstück mitbekommen hatten, verspürten ein unwohles, mulmiges Gefühl in sich. Wir hoffen immer noch darauf zu irgendeinem Zeitpunkt in den Geschehnissen der Zukunft die Möglichkeit zu bekommen, unser Theaterstück vorzutragen. Bevor dies nicht geschieht, werden wir nicht in unseren Gräbern ruhen können. 

Wir hatten jedoch einige Möglichkeiten eines Probeauftritts und dazu habe ich auch noch ein kleinen Satz, in den man viel interpretieren kann, es jedoch nicht muss. Der Satz lautet: 

Während unseres Auftrittes hatte ich, durch die emotionalen Ereignisse, Pipi in den Augen, es mag jedoch sein und es wird gemunkelt, dass es einige Personen im Saal gab, die es eventuell im Höschen hatten…

Ganz, ganz zum Schluss noch ein kleines Dankeschön an Merisa (6B), Selin (6B), Lukas (6C) und Georg (6A), die sich vor Ort um uns gekümmert haben (vielleicht sogar mehr als die Lehrerinnen und Lehrer, aber pssst..) Zudem möchte ich noch ein Dankeschön an Anna, aus der 6D, richten, welche uns mit irgendeiner Creme versorgt hat, um unsere Beulen einzuschmieren. Dank dieser Creme hatte ich dann nicht nur eine Beule, sondern auch einen Ausschlag auf meiner Beule. Mein größtes Dankeschön richte ich jedoch an meine Verletzungskameradin, große Liebe und meinen Theater-Co-Star Amelia, ohne die ich diese Beulenpracht niemals an meinem Kopf hätte tragen können und dafür bin ich sehr dankbar, Bussi.

Nun verfügst du über das Wissen, wie man in der Disco-Gehirne züchten kann, welche aus den Stirnen von deiner sehr geehrten Tanzpartnerin aka deinem Theater-Co-Star und dir wachsen und dich wie ein Dinosaurier-Menschen-Hybrid aussehen lassen und wie das Leben mit solch einer Erhebung des Kopfes auf einer Sommersportwoche aussehen könnte.

Zum Schluss sollte mein Publikum noch ein paar Bilder dieser Beule zur Schau bekommen, doch je länger ich diese Bilder anstarre desto schlimmer sehen sie aus. Und ich hab jetzt echt schon ganz schön “ugly” Fotos eingefügt, deswegen “please don’t blackmail me in the future with those ugly ass pictures. Thanks!”

Und wow. Respekt, wenn du diesen Roman bis hierher ertragen hast. Ich glaub, ich hab schon lang nicht mehr so viel Arbeit, Mühe und Zeit in etwas gesteckt. Sogar in den Mathestunden saß ich bemüht da und bastelte an diesem Meisterwerk hier herum. Aber bitte sagt’s nicht weiter, weil ich will den Einser in Mathe und wenn sie rausfindet, dass ich so einen Blödsinn im Matheunterricht schreibe, anstatt Exponentialfunktionsgleichungen zu lösen, lyncht sie mich, hihi. Hiermit verabschiede ich mich jedoch und wünsche den Lesenden noch einen schönen Tag! 

Tschau Kakao 🙂

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3 Antworten auf „Storytime: Wie man in der Disco Gehirne züchten kann, welche aus den Stirnen von deiner sehr geehrten Tanzpartnerin aka deinem Theater-Co-Star und dir wachsen und dich wie ein Dinosaurier-Menschen-Hybrid aussehen lassen“

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