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Psychologie & Mindset

Wie TikTok dein Leben beeinflusst

Lesedauer: 5 Minuten

Die TikTok-User kennen es bestimmt: Es ist ein chilliger Samstag, du hast dich in dein Bett gekuschelt und dir vorgenommen, mal kurz 5 Minuten durch TikTok zu scrollen. Aber aus den 5 Minuten werden schnell 10, und aus den 10 werden auch mal 20. Du siehst ein lustiges Video nach dem anderen und scrollst immer weiter…

Aber keine Sorge – da bist du nicht allein. So geht’s weltweit 1,2 Billionen anderen Usern. Die App “TikTok” erobert seit 2020 die Welt wie im Sturm. Es handelt sich um eine Social Media App, bei der man kurze Videos genießen kann, die oft mit Musik hinterlegt werden. Aber warum ist TikTok so beliebt? Wenn man diese Frage googelt, bekommt man immer wieder die ein und dieselbe Antwort: der Algorithmus. Die chinesische Firma Byte Dance investiert immer wieder tonnenweise Geld, um diesen zu perfektionieren. TikTok analysiert dich bis aufs kleinste Detail. Die App weiß ganz genau, was du magst und was du nicht magst. (kinda creepy lol) Auf der “Foryou page” werden dir die Inhalte angezeigt, die dich möglicherweise am meisten ansprechen. 

Viele kennen die App noch unter dem Namen Musically. Das Konzept war zu dieser Zeit schon ähnlich, aber es sollte mehr auf die Musik fokussieren und weniger mit “General Entertainment” zu tun haben. Als die App im November 2017 von Zhang Yiming für bis zu einer Milliarde Euro gekauft wurde, hat man sie zu “TikTok” umbenannt. In China trägt die App jedoch bis heute den Namen “Douyin”.  

Diese Dinge machen TikTok so anziehend: Es ist unterhaltsam, einfach zu bedienen und gibt jedem User eine Bühne, um Content zu erstellen. Oft hat man Glück und geht schneller viral, als man glaubt. Klingt doch alles super! Also, wer bei dem ganzen eine Problematik sieht, soll erstmal ein bisschen chillaxen, denn da gibt´s nichts zu kritisieren. Oder?

Fangen wir mal ganz von vorne an. TikTok hat seinen Hauptsitz in China, einem Land ohne Presse und Meinungsfreiheit. Es handelt sich nicht um eine Demokratie, sondern um ein autokratisch geführtes Land. Das bedeutet, dass eine einzige Person hier die Oberhand hat und alle politischen Entscheidungen selbst trifft. Zusätzlich will sich China immer mehr vom Rest der Welt abschotten. Das Land hat deshalb auch eine eigene Suchmaschine. Statt Google wird “Baidu” verwendet. Von YouTube und Facebook haben die Einwohner von China wahrscheinlich erst wenig gehört – dort gibt es diese Apps nämlich nicht. Tiktok scheint also zunächst harmlos, steht aber indirekt unter Kontrolle der chinesischen Regierung. Der Content, den wir auf der App produzieren, wird erstmals von einer künstlichen Intelligenz überprüft, danach schauen aber auch chinesische Mitarbeiter darüber, um zu kontrollieren, ob die Inhalte interessant, aber auch politisch korrekt sind. Zum Beispiel beim Thema “Homosexualität” gab es in der Vergangenheit häufig Zensuren auf TikTok. 

E-girls are ruining my life

Corpse

Wer auf TikTok lange genug unterwegs war, hat wahrscheinlich einige der zahlreichen Trends, die von dieser App stammen, mitbekommen. E-Girls, Glow up, Neon Herzen, Uwu-Girls, Gamer/Skater boys… und so weiter. Teilweise ging aber auch kurioses ab: Trends, bei denen psychische Krankheiten romantisiert werden. Trends, bei denen Menschen sich äußerlich vergleichen, extrem oberflächlich miteinander umgehen und Trends, bei denen Essen und Kleidung in Massen verschwendet wird. Kurz gesagt – Die App kann ein ganz schön toxischer Ort sein. Die Menschen, die auf TikTok Content produzieren, sind teilweise sehr jung und würden oft keine Hürden scheuen, solange sie dabei Geld verdienen. Das Problem dabei ist, dass auf TikTok teilweise viel Hass verbreitet wird und das speziell bei Kindern viel auslösen kann. Hier ein weiterer Trend auf TikTok: Erwachsene Mütter zeigen ihre KLEINKINDER- ja, ihr habt richtig gelesen. Mütter zeigen vor einem Millionenpublikum ihre kleinen Kinder, während sie normale Dinge tun, wie zum Beispiel Essen, aber teilweise auch in knappen Klamotten. Mein Problem damit ist, dass die Kinder selbst nicht dazu fähig sind, zu entscheiden, ob sie überhaupt im Internet sein wollen und dass die Mütter klarerweise in die Privatsphäre ihres Kindes gehen, nur um dadurch Geld und Profit zu generieren. Zurück zum Thema tho- 

Hier das “Main-Issue” – beziehungsweise der Grund, warum TikTok einen riesigen Teil des Lebens der User beeinflusst. Dank der App leben wir nämlich in einem Zeitalter von minimaler Aufmerksamkeitsspanne und Dopamin – Junkies. Das geniale Konzept von schneller Information, kurzen Videos, die von Swipe zu Swipe nicht aufhören zu scheinen, haben jetzt auch andere Apps wie Youtube und Instagram übernommen. Das Ganze hat aber auch eine dunkle Schattenseite. 

Ist es gut für uns, unseren Konsum von audiovisuellen Medien so zu steigern? Kurze Antwort: Nein. Wie schon erwähnt, saugt uns dieser Strudel an Videos regelrecht ein. Wir können gar nicht mehr aufhören, uns den reinzuziehen. Für die TikTok Creator ist das natürlich gut, denn sie müssen Content produzieren, der direkt “catched” und im User möglichst schnell Gefühle auslöst. Das Problem dabei ist, dass bei uns während dem Konsum dieser kurzweiligen Videos ganz viel von dem Botenstoff “Dopamin” ausgelöst wird.  Der ist größtenteils dafür verantwortlich, dass wir Glücksgefühle empfinden, aber sorgt auch für Motivation. Also, einfach gesagt: Der Körper versucht, Dinge zu tun, die uns möglichst viel Dopamin geben. Aufgrund dieses Botenstoffes empfinden wir zum Beispiel Sucht. Dinge wie Alkohol und Fast Food lösen bei uns extrem schnell Dopamin aus und deshalb will unser Körper immer mehr davon. Kurzvideos kann man also als “digitale Droge” bezeichnen. Dadurch, dass wir schnell und einfach Unterhaltung bekommen, schütten wir viel Glückshormone aus und wir wollen automatisch immer mehr. Man kann das Ganze mit Glücksspiel vergleichen, das bekanntlich auch süchtig macht. Wenn uns ein gutes Video angezeigt wird, ist es, als hätten wir im Lotto gewonnen und wir wollen natürlich weiterspielen. Wird uns ein weniger unterhaltsames Video angezeigt, hoffen wir erwartungsvoll darauf, dass das nächste besser wird.

Deswegen holen wir auch oft randomly unser Handy raus, um einfach mal schnell Dopamin zu bekommen. Das Ganze wird problematisch, da dieser Botenstoff normalerweise nicht so schnell und exzessiv freigesetzt wird. Beim Lernen zum Beispiel, bekommt man erst dann Glückshormone, wenn man einen Lernerfolg hat und dafür muss man erstmal aufwändig Matheformeln auswendig lernen und Vokabeln wiederholen. 

TikTok und andere Soziale Medien haben unseren Dopaminspiegel also komplett verschoben. Warum liest unsere Generation so viel weniger als zuvor? Trust me, das liegt weniger daran, dass es irgendwie veraltet sein soll oder so, sondern ausschließlich daran, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne einfach niedriger ist und TikTok uns viel schneller mit Glückshormonen voll pumpt, als zum Beispiel Bücher oder sogar Filme. Aber was kannst du jetzt tun? Versuch dich einmal, wenn auch nur für ein paar Tage, einem Dopamin – detox zu unterziehen. Das bedeutet: Social Media abschalten, das Handy auf stumm schalten, keine Nachrichten empfangen und vielleicht sogar alte Hobbys wiederfinden. Lies ein Buch, zeichne etwas oder treibe Sport. 

Das führt mich nochmal zum nächsten großen Problem: der Aufmerksamkeitsspanne. Dadurch, dass wir so schnellen und kurzweiligen Content angezeigt bekommen, sinkt unsere Fähigkeit, sich auf längerem Zeitraum zu konzentrieren. Probleme dabei, sich zu fokussieren, sind heutzutage keine Seltenheit. Ab 90 Minuten TikTok pro Tag, kann deine Konzentration beeinträchtigt werden. Immer mehr Menschen können sich nicht mal mehr einen Film oder eine Serie anschauen, ohne dabei ans Handy zu gehen. 

Wenn wir so viel Zeit auf so einer Plattform verbringen, dann beeinflusst uns auch der Content, den wir dort sehen. Ob wir das wollen, oder nicht. Da, wie erwähnt, der Inhalt auf TikTok sehr toxisch sein kann, ist das vor allem für junge User extrem problematisch. Die meist geschauten Videos sind auch weniger lehrreich, sondern gelten ausschließlich der Unterhaltung. 

Das soziale Umfeld, das du dir schaffst und die Menschen, mit denen du dich umgibst, haben einen größeren Einfluss auf dich, als du denkst. Imagine, du bist jetzt mehrere Stunden am Tag auf einer Plattform, die teilweise absurde Trends verfolgt. Auch das wird dich dann gewissermaßen formen. Also lasse dir folgendes durch den Kopf gehen: Es macht einen riesigen Unterschied, ob du eine Stunde am Tag liest, oder eine Stunde am Tag TikTok schaust. 

Allein dieser minimale Unterschied kann dich in kürzester Zeit verändern. Natürlich ist es wirklich kein Problem, wenn man mal kurz, um abzuschalten ein kleines bisschen in Social Media herum scrollt, aber wie bei fast allem, sollte man dies in Maßen genießen. 

Falls es da jemanden gibt, der dazu eine ganz andere Meinung hat, oder etwas hinzufügen möchte, lade ich gerne dazu ein, einen Kommentar zu hinterlassen und ich hoffe, dass Eltern ihren Kindern in Zukunft mitgeben, bei solchen Dingen aufzupassen. Ansonsten, danke fürs Lesen und bye bye 🙂

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Jana Sokoll

Von Jana

Hello ˙ᵕ˙ Ich liebe Frösche und schreib gern Texte. Ich freu mich riesig dich kennenzulernen! Mein Name ist Jana und ich liebe das Film making und viele andere Dinge. ( Frösche ˃ ◡ ˂ ) Schreib mich gerne mal an, wenn du Fragen hast.

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