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Psychologie & Mindset

Wissen oder Nichtwissen

Lesedauer: 3 Minuten

Was wir wissen und was wir nicht wissen, sind vorerst Fragen, die den Anschein erwecken, leicht beantwortbar zu sein. Ich weiß, dass 1+1 2 ergibt und ich persönlich weiß nicht, wie man eine Atombombe baut. Doch dieses Wissen, beruhend auf Fakten, ist erlernbar und man kann es sich aneignen.

Doch was ist mit dem Wissen, dass man sich nicht aneignen kann, was ist mit dem Wissen, das keiner weiß. Gibt es Gott? Was ist Liebe? Was ist mit dem Bauchgefühl?

Schon seit Anbeginn der Zeit ist das Wissen der wesentliche Bestandteil des Lebens und des Überlebens. Tiere, die bessere Strategien für das Jagen und Überleben erarbeiten und diese ihren Nachfahren weitergeben, haben einen Vorteil ihren Mittieren gegenüber und somit einen Vorteil in der Revolution. Das, kombiniert mit Veränderung des Erbguts, garantiert der Spezies das Überleben in der Zukunft.

Wir, die Menschen, sind das Paradebeispiel von „Wissen ist Macht“ durch das Aneignen von Wissen und noch wichtiger die effektive (effektiver als bei Tieren, weil wir reden und später schreiben konnten) Weitergabe dieses Wissens konnten wir uns an die Spitze der Nahrungskette und der Evolution weiter“lernen“.

Die Psychologie behandelt das Thema des Öfteren: ein Mensch ohne Wissen kann nichts. Wir sind nicht die schnellsten im Tierreich, nicht die stärksten und unsere Sinne sind im Vergleich zu nichts zu gebrauchen. Doch wir haben eben das, was die anderen Tiere nicht haben – unser Wissen. Wissen darüber, wie man Waffen baut, Technologie und vieles mehr.

Zusätzlich dazu können wir durch Sprache und Schrift dieses Wissen zu 100 % weitergeben, sodass die nächsten Generationen mit dem gleichen Wissen starten und auf dieses aufbauen können.

Doch wie es in der asiatischen Kultur und auch in Star Wars so schön heißt, jede Seite hat auch eine dunkle Seite. Wie bereits beschrieben ist Wissen gleichzeitig auch Macht. Und klar ist… Macht kann missbraucht werden. Das falsche Spiel mit Wissen und dahingehend auch Information kann Leben kosten.

Das einfachste Beispiel, das mir einfällt, sind Fake News – ja, Nachrichten sind Wissen. Vor allem durch digitale Innovationen kann sich Wissen schnell verbreiten und durch das exponentielle Wachstum an neu generiertem Wissen ist es dem Otto Normalverbraucher nur schwer möglich, jede neue Information zu überprüfen, bevor er sie als „Wissen“ in seinem Gehirn abspeichert. Wissen will erlernt sein.

Der Jaguar hat über Jahre und Generationen hinweg an seinen Jagdmethoden gefeilt und probiert und dabei gelernt, was gut und schlecht ist, bevor es nur das beste Stückchen von seinem Wissen an seinen Wurf abgibt, dadurch entsteht ein natürlicher Filter für Müllwissen.

Doch was, wenn der normale Bürger Informationen bekommt, die er nicht ausprobieren kann oder keine Zeit hat und diese falsche Information, dann als sein vermeintliches korrektes Wissen abspeichert?

Die Szenarien sind auf viele Bereiche und Jargons anzuwenden und bis ins Unendliche hochzuskalieren.

Summa summarum kann man sagen, dass das Spiel mit dem Wissen und Wissensweitergabe ein Spiel mit dem Feuer ist – man kann sich damit ein super Steak kochen, aber sich auch böse die Finger verbrennen.

Doch was ist mit der anderen Seite? Was hat es mit der Unwissenheit und Ungewissheit auf sich?

Instinkte und Bauchgefühl sind schwer zu beschreiben – klar ist nur, dass sie manchmal echte Lebensretter sein können und maßgebend und manchmal sogar Hauptteil unserer Entscheidungsfindung sind.

Wir kennen das doch alle, dass wir uns verlieben und nicht wissen warum, wir wissen nur, dass es so ist. Was ist mit dem allseits bekannten Bauchgefühl?

Das kann man hochskalieren auf jede Emotion. Natürlich kann man auch Liebe z.B. wissenschaftlich beschreiben. Endorphine, Serotonin und andere Stoffe werden ausgeschüttet, das weiß man, aber warum das so ist, wissen nicht einmal die besten Wissenschaftler.

Instinkt, Intuition und Bauchgefühl sind Tatsachen, die man nicht beschreiben kann. Man weiß nur, dass sie mindestens genauso wichtig sind wie das fachliche und tatsächliche Wissen selbst. 

Unwissenheit ist die Quelle für Emotionen, der Ursprung von Kreativität und Neugier und in vielen Fällen die Endstation für das Wissen, von der niemand weiß, wie es nach dieser Grenze, der Grenze von Wissen zu Unwissenheit. Sie ist der Motivator und der Anreiz, um Neues zu erfahren und Unwissenheit in Wissen zu verwandeln.

Die Unwissenheit ist wie das endlose Universum, je mehr wir wissen, desto mehr sehen wir, dass wir wenig wissen.

„Ich weiß, dass ich nicht(s) weiß.”

Sokrates

Ohne Unwissenheit gäbe es kein Wissen.

Impuls für diesen philosophischen Essay war übrigens folgendes Zitat:

Unsere Unwissenheit ist grenzenlos und ernüchternd. […] Mit jedem Schritt, den wir vorwärts machen, mit jedem Problem, das wir lösen, entdecken wir nicht nur neue und ungelöste Probleme, sondern wir entdecken auch, dass dort, wo wir auf festem und sicherem Boden zu stehen glaubten, in Wahrheit alles unsicher und im Schwanken begriffen ist.

Karl R. Popper: Lesebuch. Mohr, Tübingen 1995. S. 1.
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